XXVII. Königswinterer Tagung

Es hat viele missglückte Attentatsversuchen auf den "Führer" Adolf Hitler gegeben. Das entscheidende, wenn auch wiederum missglückte, Attentat wurde am 20. Juli 1944 von Oberst i. G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg im „Führerhauptquartier“ Wolfsschanze nahe Rastenburg (Ostpreussen) durchgeführt. Dieser militärische Widerstand gegen das Regime jährt sich nun zum 70. Mal und hat der gesamten Widerstandsbewegung, auch der nicht-militärischen, einen Namen gegeben.

Auditorium

Vom 21. bis 23. Februar 2014 führte die Forschungsgemeinschaft 20 Juli 1944 e.V. in Kooperation mit der Jakob-Kaiser Stiftung ihre XXVII. Königswinterer Tagung durch.

Da das traditionelle Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter als Tagungshaus leider für immer seine Pforten geschlossen hat, wurde die Tagung im Christlichen Jugenddorf in Bonn durchgeführt.

Die Tagung stand unter dem Leitthema:

 "Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit, die Verpflichtung noch nicht eingelöst." - Der Widerstand gegen das ‚Dritte Reich‘ in Öffentlichkeit und Forschung seit 1945

und bezog sich damit auf ein Zitat des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der anlässlich des zehnten Jahrestags des Attentatsversuches vom 20. Juli 1944 (also am 20. Juli 1954) die deutsche Öffentlichkeit in seiner Gedenkrede wachrütteln wollte. Der Widerstand wurde zu dieser Zeit in großen Teilen der Bevölkerung noch als Hoch- und Landesverrat diffamiert, viele ehemalige Widerständler oder ihre Witwen und Waisen mussten um Renten oder Pensionen kämpfen und waren in der Nachkriegszeit vorerst mittellos. Wie der Tagungsverlauf zeigte, kursierten Mythen, Unwissenheit und Vorurteile – der Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur war noch nicht einmal in seinem ganzen Umfang bekannt.

Friedrich von Jagow,  Vorsitzender der  Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944, eröffnete die Tagung, Prof. Dr. Tilmann Mayer von der Jacob-Kaiser-Stiftung begrüßte die Tagungsgäste, Prof. Dr. Joachim Scholtyseck gab eine Einleitung in die Tagung und erläuterte die ihr zugrunde liegende Konzeption.

Den Eröffnungsvortrag hielt Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Angelika Nußberger,   Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Ihr Thema lautete: „Der deutsche Widerstand im Nationalsozialismus – eine aktuelle Botschaft aus einem vergangenen Jahrhundert“ und ließ durchaus auch Parallelen zu der aktuellen politischen Situation (z.B. Ukraine) zu.

In der ersten Sektion "Widerstandsrezeption im bundesrepublikanischen Kontext" wurden folgende Themen behandelt:

  • Von punktuellen Dissonanzen, Schwarzschlächtern und aktivem Umsturz – Der Widerstandsbegriff im Wandel der Zeit (Prof. Dr. Michael Kißener)
  • Der geschichtspolitische Ort des 20. Juli 1944 in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland - Fallbeispiel Remer-Prozess (Nils Kleine)
  • „die allerdringlichsten Nöte abzumildern…“ Der Kampf um eine Wiedergutmachung. Fallbeispiel Cläre Fellgiebel (Barbara Lier)

Die zweite Sektion "Widerstandsrezeptionen in der Gedenkstättenarbeit" stellte die Aufarbeitung und Präsentation des Widerstands am Beispiel von zwei Gedenkstätten dar:

  • Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin (PD Dr. Ekkehard Klausa)
  • Die Gedenkstätte für Widerstand und Opposition in Kreisau/Krzyzowa (Dominik Kretschmann)

In der dritten Sektion "Widerstandsrezeption in Institutionen" behandelte Oberst i. G. Dr. Winfried Heinemann das Thema:

  • Der Widerstand gegen das NS-Regime im Traditionsverständnis der Bundeswehr

Die vierte Sektion "Widerstand in der Populärkultur" setzte sich auseinander mit der literarischen und filmischen Rezeption des Widerstands:

  • Zwischen Etablierung von Gemeinschaft und Emanzipation des Einzelnen: Literarische Widerstandsdarstellungen in (West)Deutschland (1945-1989) (Miriam Runge)
  • Der 20. Juli 1944 im Spielfilm (Christine Kensche)

Die gut 100 Teilnehmer der Tagung waren Mitglieder der Widerstandsfamilien, Historiker, wissen-schaftliche Mitarbeiter und Studenten deutscher Universitäten sowie politisch/historisch Interessierte, die keinen familiären Bezug zum Widerstand haben. Sie alle waren fasziniert von der vorgetragenen Thematik, die zu aktiver Teilnahme an den Diskussionen der Tagung anregte.

Diskuss.0 Diskuss.6 Diskuss.4
 Diskuss.7 Diskuss.3  Diskuus.5

Sämtliche Vorträge dieser Tagung werden im Band 19 der
"Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V." vom Wißner-Verlag in Augsburg veröffentlicht.


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Programm|    |bonnFM|  
Audiobeitrag und Interview mit Friedrich von Jagow: